Dachwartung vor dem Winter: Was ein Dachcheck prüft und warum er teure Folgeschäden verhindert
Pfannen, First, Rinne, Anschlüsse: was der Dachdecker im Herbst prüft und was Sie vom Boden aus selbst sehen.
Lesen Sie mehr »Von Rainer Thormählen Dachdecker GmbH & Co. KG · Meisterbetrieb seit 1995, Holthusen bei Schwerin
Es klingelt an der Tür, ein freundlicher Herr zeigt auf Ihr Dach: „Da wächst ja ordentlich Moos. Das sollten Sie nicht mehr lange so lassen.“ Oder es liegt ein Flyer im Briefkasten: Dachreinigung und Dachbeschichtung, „wie neu“, „Lebensdauer verlängert“, nur diese Woche mit Rabatt. Viele Hausbesitzer in Schwerin und Umgebung kennen das – und fragen sich danach zu Recht: Ist eine Dachbeschichtung sinnvoll, oder will mir hier jemand etwas verkaufen, das mein Dach gar nicht braucht?
Unsere ehrliche Einordnung vorweg: Moos und Verfärbungen auf Ziegeln oder Betondachsteinen sind meist ein optisches Problem, selten ein akutes. Eine Dachbeschichtung ersetzt keine Sanierung und verlängert die Lebensdauer eines Daches nicht automatisch. Ob eine Reinigung oder eine Beschichtung bei Ihrem Dach überhaupt etwas bringt, zeigt erst eine fachliche Prüfung. In diesem Beitrag erklären wir, wann Moos wirklich schadet, warum der Hochdruckreiniger mehr kaputt machen kann als er sauber macht, was eine Beschichtung leisten kann – und woran Sie unseriöse Angebote erkennen.
Moos, Algen und Flechten wachsen dort, wo es lange feucht bleibt: auf der Nordseite, unter Bäumen, in windgeschützten Lagen und an den Stellen, an denen die Ziegel sich überlappen. In unserem feuchten norddeutschen Klima ist ein grüner Schimmer auf einem Dach, das ein paar Jahrzehnte alt ist, völlig normal. Rauere Oberflächen setzen schneller Bewuchs an als glatte. Darum sieht man ihn auf älteren Betondachsteinen häufiger als auf engobierten oder glasierten Tonziegeln.
Wichtig zu wissen: Moos wurzelt nicht in den Ziegel hinein. Es sitzt mit feinen Haftfäden auf der Oberfläche. Ein dünner Belag, schwarze Algenschlieren oder graugelbe Flechtenflecken verändern vor allem die Optik. An der Dichtheit des Daches ändern sie in aller Regel nichts. Wer hier ohne Prüfung von „dringendem Handlungsbedarf“ spricht, übertreibt.
Kritisch wird Bewuchs erst, wenn er so dicht und dick wird, dass er Wasser festhält oder seinen Weg versperrt. Drei Fälle sehen wir in der Praxis immer wieder:
Ziegel und Dachsteine liegen schuppenartig übereinander. Das Regenwasser läuft über die Fläche nach unten, die seitlichen Falze und die Überdeckung zur nächsten Reihe führen es sicher ab. Sitzen dort dicke Moospolster, wirken sie wie ein Schwamm und wie ein kleiner Damm zugleich: Das Wasser staut sich, wird in den Falz gesogen und kann bei Wind unter die Überdeckung gedrückt werden. Dann landet es auf der Unterdeckbahn – oder, bei älteren Dächern ohne zweite Ebene, direkt auf Lattung und Dachboden.
Ein Moospolster hält den Ziegel darunter tagelang nass. Gerade ältere oder poröse Ziegel und Dachsteine nehmen dabei Wasser in ihre feinen Poren auf. Gefriert es, dehnt es sich aus. Bei uns in Mecklenburg ist weniger der strenge Dauerfrost das Problem als der häufige Wechsel zwischen Frost und Tauwetter. Über viele Winter platzen so Schalen von der Oberfläche ab, Kanten bröckeln, im schlimmsten Fall reißt der Ziegel.
Regen spült losgelöstes Moos nach und nach in die Dachrinne. Zusammen mit Laub bildet es dort einen dichten Filz, der Fallrohre und Rinnenstutzen zusetzt. Dann läuft die Rinne bei Starkregen über, Wasser staut sich an der Traufe zurück oder läuft an der Fassade herunter. Dunkle, dauerfeuchte Stellen unter der Traufe sind ein typisches Zeichen dafür.
Alle drei Fälle haben eines gemeinsam: Es geht nicht um ein bisschen Grün, sondern um dicke Polster an bestimmten Stellen. Ob Ihr Dach betroffen ist, sieht man vom Boden aus oft nur ungefähr – ein Fernglas hilft, ersetzt aber keinen Blick aus der Nähe. Was ein Dachcheck sonst noch prüft, steht im Beitrag Dachwartung vor dem Winter.
Der Hochdruckreiniger ist das Werkzeug, mit dem viele Reinigungsangebote arbeiten. Das Ergebnis sieht am ersten Tag beeindruckend aus. Für die Eindeckung ist es oft ein schlechtes Geschäft:
Ein besonderer Fall sind alte Faserzementplatten, die vor 1993 hergestellt wurden. Sie können Asbest enthalten. Solche Dächer mit Hochdruck zu reinigen, ist in Deutschland verboten, weil dabei Fasern freigesetzt werden. Wer Ihnen das anbietet, hat sich mit Ihrem Dach nicht befasst.
Und was ist mit chemischen Moosvernichtern? Sie lösen das Problem nicht dauerhaft, und was vom Dach gespült wird, landet über Rinne und Fallrohr im Boden oder in der Kanalisation. Wenn überhaupt, gehören nur zugelassene Mittel nach Herstellerangabe aufs Dach. Ob es dort etwas zu tun gibt, sollte vorher feststehen.
Für Sie selbst gilt: Steigen Sie für Moos nicht aufs Dach. Was Sie gefahrlos tun können, ist die Rinne vom Boden oder von einer sicher stehenden Leiter aus im Blick zu behalten. Wenn dort Moos und Laub liegen, ist das der häufigste und am einfachsten zu behebende Folgeschaden.
Eine Dachbeschichtung ist im Kern ein Anstrich: Nach der Reinigung wird eine Farbe oder Versiegelung auf die Eindeckung gesprüht. Die Versprechen auf Flyern sind groß – „wie ein neues Dach“, „Lebensdauer verdoppelt“, „nie wieder Moos“. Was davon stimmt, hängt vor allem davon ab, welches Material auf Ihrem Dach liegt.
Bei älteren Betondachsteinen ist die werkseitige Oberflächenbeschichtung nach einigen Jahrzehnten oft abgewittert. Der Stein ist matt und rau geworden und nimmt mehr Wasser auf. In diesem Fall kann eine fachgerecht aufgebrachte, geeignete Beschichtung:
Das ist Pflege der Oberfläche – nicht mehr. Voraussetzung ist, dass die Dachsteine selbst noch intakt sind und der Aufbau darunter funktioniert. Und: Eine Beschichtung hält nicht ewig. Sie verwittert wieder und muss irgendwann erneuert werden. Wichtig ist außerdem, dass sie die Falze und Überdeckungen nicht zuklebt und die Steine nicht dicht einschließt. Sonst kann Feuchtigkeit, die von unten in den Stein gelangt, nicht mehr austrocknen – und genau das begünstigt Frostschäden.
Ein Tonziegel ist gebrannt. Seine Oberfläche ist eingebrannt, nicht aufgetragen. Naturrote Ziegel bekommen über die Jahre eine Patina, ihre Farbe bleibt aber über Jahrzehnte nahezu gleich. Engobierte und glasierte Ziegel haben ohnehin eine dichte, glatte Oberfläche. Eine Beschichtung kann einem intakten Tonziegel also nichts geben, was er nicht schon hat. Im Gegenteil:
Viele Ziegelhersteller raten deshalb von einer nachträglichen Beschichtung ihrer Tondachziegel ab. Mehr zu den Unterschieden der beiden Materialien lesen Sie im Beitrag Tonziegel oder Betondachstein?
Der wichtigste Punkt dieses Beitrags: Eine Beschichtung arbeitet nur auf der Oberfläche der Eindeckung. Über die Lebensdauer eines Daches entscheidet aber vor allem das, was man von außen nicht sieht:
Ein Dach, das an diesen Stellen Schwächen hat, wird durch eine Beschichtung nicht dichter und nicht jünger. Es sieht nur jünger aus – und das ist im ungünstigsten Fall sogar ein Nachteil, weil Schäden unter der frischen Farbe später auffallen. Eine Beschichtung verlängert die Lebensdauer eines Daches also nicht automatisch. Ob ein Dach eine Reparatur, eine Teilsanierung oder eine Neueindeckung braucht, lesen Sie im Beitrag Dach reparieren oder sanieren? und bei den 7 Warnzeichen für eine Dachsanierung.
Nicht jeder, der Dachreinigung oder Dachbeschichtung anbietet, ist unseriös. Aber gerade an der Haustür und per Flyer sind Anbieter unterwegs, die vom schnellen Abschluss leben. Diese Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen:
Woran Sie einen seriösen Dachdecker grundsätzlich erkennen, haben wir im Beitrag Neues Dach: Das sollten Sie bei der Suche nach einem Dachdecker in Schwerin beachten zusammengefasst.
Sie haben Moos auf dem Dach, einen Flyer im Briefkasten oder ein Angebot vom Haustürbesuch auf dem Tisch? Dann lassen Sie Ihr Dach zuerst ansehen, bevor Sie Geld ausgeben. Bei der kostenlosen Dachprüfung schauen sich unsere erfahrenen Dachdecker Eindeckung, Überdeckungen, First, Anschlüsse und Rinnen an – und, wo es geht, auch den Dachboden von innen. Rainer Thormählen bespricht das Ergebnis anschließend als Meister persönlich mit Ihnen: was am Dach wirklich nötig ist, was warten kann und was Sie sich sparen können. Manchmal lautet die Antwort: Das Moos stört nur das Auge, Ihr Dach ist in Ordnung. Auch das sagen wir Ihnen genauso klar.
Wir sind ein Meisterbetrieb seit 1995, eingetragen bei der Handwerkskammer Schwerin, HRB 9671 beim Amtsgericht Schwerin – mit festem Sitz in Holthusen. Was wir bei einer Dachsanierung leisten, lesen Sie auf unserer Leistungsseite.
Wir arbeiten in Schwerin und Umgebung – rund 50 km um Holthusen.
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Oder direkt anrufen: 03865 / 84 41 10 – bei uns geht ein Mensch ran.
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