Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung? Vor- und Nachteile im Vergleich
Aufbau, Wärmebrücken, Raumhöhe, Kombination und Hinterlüftung: wann die Dämmung zwischen die Sparren gehört, wann obendrauf.
Lesen Sie mehr »| Dämmung
Wer sein Dach dämmen lässt, bekommt schnell Prospekte in die Hand, in denen jeder Dämmstoff der beste ist. Das stimmt so nicht. Mineralwolle, Holzfaser und PUR-Hartschaum haben jeweils Stärken und Schwächen – und welcher Dämmstoff passt, hängt mehr an Ihrem Dach als am Material. Darum stellen wir hier die drei im Steildach am häufigsten verbauten Dämmstoffe fürs Dach im Vergleich nebeneinander: sachlich, ohne Herstellernamen, ohne Preise.
Es geht um sechs Punkte: wie gut der Stoff dämmt, was er gegen Sommerhitze leistet, wie er sich im Brandfall verhält, wie er mit Feuchte umgeht, woraus er besteht und wie er sich verarbeiten lässt. Wer gezielt nach einer Holzfaserdämmung fürs Dach sucht, findet die Antworten in jedem Abschnitt – Holzfaser hat beim Hitzeschutz echte Vorteile, beim Platzbedarf aber nicht.
Jeder Dämmstoff hat eine Wärmeleitfähigkeit, angegeben mit dem griechischen Buchstaben λ (Lambda) in W/(m·K). Vereinfacht gesagt: Die Zahl beschreibt, wie viel Wärme durch einen Meter Material wandert. Je kleiner der Wert, desto besser dämmt der Stoff. Auf der Verpackung steht oft die Wärmeleitstufe, kurz WLS: „WLS 035“ heißt λ = 0,035 W/(m·K).
Typische Werte der drei Dämmstoffe:
Was das praktisch bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung: Für dieselbe Dämmwirkung wie 20 cm Mineralwolle mit WLS 035 brauchen Sie rechnerisch rund 13 cm PUR mit WLS 023 – oder rund 23 cm Holzfaser mit WLS 040. Der Unterschied liegt also nicht in der Frage, ob ein Stoff gut dämmt, sondern wie dick er dafür sein muss. Das wird wichtig, wenn die Sparren niedrig sind oder das Dach bei einer Aufsparrendämmung nicht zu hoch werden soll.
Zwei Dinge sagt die Wärmeleitfähigkeit allerdings nicht: wie sich der Dämmstoff im Sommer verhält und wie gut er eingebaut ist. Eine Fuge in der Dämmung oder eine undichte Dampfsperre kostet mehr Wirkung als der Unterschied zwischen zwei Wärmeleitstufen.
Mineralwolle ist der Oberbegriff für Glaswolle und Steinwolle. Glaswolle wird zu einem großen Teil aus Altglas geschmolzen und zu feinen Fasern versponnen, Steinwolle aus Gestein. Am Steildach kommt Mineralwolle meist als Klemmfilz zum Einsatz: weiche Rollen oder Matten, die sich zwischen die Sparren spannen und dort von selbst halten. Sie ist leicht, dämmt gut und ist seit Jahrzehnten der verbreitetste Dämmstoff im Steildach.
Holzfaserdämmung wird aus Holz hergestellt, überwiegend aus Resten der Sägeindustrie. Es gibt sie als flexible Matten für die Zwischensparrendämmung, als feste Platten für die Dämmung auf den Sparren und als Unterdeckplatten, die zugleich die zweite wasserführende Ebene unter der Eindeckung bilden. Daneben gibt es Holzfaser auch lose zum Einblasen. Holzfaser ist deutlich schwerer als Mineralwolle – das ist beim Wärmeschutz im Sommer ihr großer Vorteil.
Polyurethan-Hartschaum (PUR) und seine Weiterentwicklung Polyisocyanurat (PIR) sind feste, leichte Schaumplatten, meist beidseitig mit Aluminium oder Vlies kaschiert. Sie haben die niedrigste Wärmeleitfähigkeit der drei Stoffe und kommen am Steildach vor allem als Aufsparrendämmung zum Einsatz – als Systemplatten mit Nut und Feder, oft mit werkseitig aufgebrachter Unterdeckbahn. Auf dem Flachdach sind sie ebenfalls verbreitet, etwa als Gefälledämmung.
Andere Dämmstoffe wie Zellulose, Hanf, Holzwolle oder Polystyrol gibt es auch. Dieser Beitrag beschränkt sich auf die drei, die uns im Steildach in Schwerin und Umgebung am häufigsten begegnen.
Im Winter soll die Dämmung die Wärme drinnen halten. Im Sommer soll sie die Hitze draußen halten – und zwar lange genug. Wer unterm Dach schläft, kennt das Problem: Die Sonne brennt den ganzen Tag auf die Eindeckung, und am Abend kommt die Wärme im Schlafzimmer an.
Dafür ist nicht die Wärmeleitfähigkeit entscheidend, sondern die Wärmespeicherfähigkeit. Sie ergibt sich aus der Rohdichte – wie schwer der Stoff ist – und der spezifischen Wärmekapazität – wie viel Wärme ein Kilogramm aufnehmen kann. Ein schwerer Dämmstoff, der viel Wärme schluckt, bremst die Hitze auf ihrem Weg nach innen. Fachleute sprechen von der Phasenverschiebung: Die Mittagshitze kommt erst Stunden später innen an, idealerweise erst in der Nacht, wenn man lüften kann. Häufig werden dafür zehn Stunden und mehr angestrebt.
Zur Einordnung: Der Dämmstoff ist nur ein Baustein. Mindestens genauso viel bringen eine ausreichende Dämmstärke, ein lückenloser Einbau, eine schwere Innenverkleidung – und außenliegender Sonnenschutz an den Dachfenstern. Was Rolladen und Hitzeschutz-Markisen leisten, lesen Sie in unserem Beitrag Hitze unterm Dach: Was außenliegende Rolladen und Hitzeschutz-Markisen wirklich bringen. Ein Dachgeschoss, das im Sommer kühl bleiben soll, hat eine Holzfaserdämmung aber auf der Habenseite.
Baustoffe werden in Europa nach ihrem Brandverhalten eingeteilt (Norm DIN EN 13501-1). Die Klassen A1 und A2 stehen für nicht brennbar, die Klassen B bis E für brennbare Stoffe mit abnehmender Widerstandsfähigkeit, F für nicht geprüft. Im Alltag hört man noch die älteren deutschen Bezeichnungen: A für nicht brennbar, B1 für schwer entflammbar, B2 für normal entflammbar.
Welche Anforderungen an Ihrem Haus gelten, richtet sich nach Gebäudeart und Landesbauordnung. Bei Reihen- und Doppelhäusern, an Grenzbebauung und an Abgasanlagen planen wir das vor dem Einbau ein.
Feuchte ist der natürliche Feind jeder Dämmung. Nasser Dämmstoff dämmt schlecht, und Feuchte im Dach schadet auf Dauer dem Holz. Die drei Stoffe gehen damit sehr unterschiedlich um:
Für alle drei gilt dieselbe Grundregel im Steildach: Auf der warmen Raumseite liegt die Dampfsperre, lückenlos verklebt. Nach außen wird der Aufbau diffusionsoffener, damit Feuchte abziehen kann – über eine diffusionsoffene Unterdeckbahn unter Konterlattung, Traglattung und Eindeckung. Der beste Dämmstoff hilft nichts, wenn warme Raumluft durch eine offene Fuge in der Dampfsperre in die Dämmung zieht.
Beim Thema Umwelt wird gern mit einzelnen Schlagworten geworben. Sachlich betrachtet hat jeder Stoff ein eigenes Profil:
Wer ökologisch bauen will, schaut am besten auf das ganze Dach: Ein Aufbau, der Jahrzehnte trocken und dicht bleibt, ist für die Umwelt mehr wert als jedes Etikett.
Klemmfilz wird mit etwa einem Zentimeter Übermaß zugeschnitten, damit er stramm zwischen den Sparren sitzt und keine Fugen bleiben. Das Material ist leicht und schnell verlegt. Die Fasern reizen Haut und Atemwege, deshalb arbeiten wir mit langer Kleidung, Handschuhen und Atemschutz.
Holzfasermatten sind fester und schwerer. Sie werden mit Säge oder Spezialmesser geschnitten und ebenfalls mit Übermaß eingeklemmt. Bei der Aufsparrendämmung mit Holzfaserplatten kommt Gewicht aufs Dach – das muss der Dachstuhl tragen, und die Befestigung der Konterlattung durch die Dämmung folgt Statik und Systemvorgaben.
Hartschaumplatten sind leicht und maßhaltig, mit Nut und Feder schließen sie dicht. Ihre Stärke liegt auf den Sparren, als durchgehende Schicht. Zwischen die Sparren passen starre Platten schlecht: Sparren sind selten exakt parallel und arbeiten mit der Zeit, so entstehen Fugen. Bei Systemplatten gilt: Verlegung, Stoßverklebung und Befestigung genau nach Systemvorgabe – sonst ist die Wirkung dahin.
Welcher Dämmstoff an welcher Stelle Ihres Dachs sinnvoll ist und wie wir die Dämmung ausführen, finden Sie auf unserer Leistungsseite Dämmung – Dachdämmung vom Meisterbetrieb in Schwerin und Umgebung.
| Eigenschaft | Mineralwolle | Holzfaser | PUR/PIR |
|---|---|---|---|
| Wärmeleitfähigkeit λ | ca. 0,032–0,040 | ca. 0,036–0,050 | ca. 0,022–0,028 |
| Dicke für gleiche Wirkung | mittel | am größten | am geringsten |
| Hitzeschutz im Sommer | gering | hoch | gering |
| Brandverhalten | meist nicht brennbar (A1/A2) | brennbar, meist E | brennbar, je nach Produkt B bis E |
| Feuchte | nimmt kaum Wasser auf, verliert nass an Wirkung | puffert Feuchte, darf nicht dauerhaft nass werden | nimmt kaum Wasser auf, kaschiert praktisch dampfdicht |
| Rohstoff | Altglas, Gestein | Holz, nachwachsend | Erdöl |
| Schallschutz | gut | gut | gering |
| Typischer Einsatz am Steildach | Klemmfilz zwischen den Sparren | Matten zwischen, Platten auf den Sparren | Systemplatten auf den Sparren |
Den einen richtigen Dämmstoff gibt es nicht. Es gibt den passenden für Ihre Situation. Ein paar Faustregeln aus der Praxis:
Wann die Dämmung zwischen und wann auf die Sparren gehört, haben wir im Beitrag Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung? Vor- und Nachteile im Vergleich zusammengestellt. Und wenn der Dachraum gar nicht genutzt wird, reicht oft die Dämmung der Decke darunter – dazu mehr in Oberste Geschossdecke oder Spitzboden dämmen: Was sich wann lohnt.
Welcher Dämmstoff in Ihr Dach gehört, steht in keinem Prospekt. Unsere erfahrenen Dachdecker schauen sich Sparren, Lattung, Unterspannbahn, Eindeckung und eine vorhandene Dämmung an. Rainer Thormählen berät Sie danach als Meister persönlich – mit einer ehrlichen Empfehlung für den Aufbau, nicht für ein bestimmtes Produkt.
Sie haben vorab eine Frage? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular auf unserer Startseite. Wir arbeiten in Schwerin und Umgebung – rund 50 km um Holthusen.
Oder direkt anrufen: 03865 / 84 41 10 – bei uns geht ein Mensch ran.
Ein Beitrag der Rainer Thormählen Dachdecker GmbH & Co. KG – Meisterbetrieb seit 1995, Holthusen bei Schwerin.
KI-Darstellung: Mineralwolle, Holzfaser und PUR-Hartschaum im Querschnitt.
Aufbau, Wärmebrücken, Raumhöhe, Kombination und Hinterlüftung: wann die Dämmung zwischen die Sparren gehört, wann obendrauf.
Lesen Sie mehr »Genutzter oder ungenutzter Dachraum, begehbare Dämmung, Dampfsperre und Lüftung: wann die Dämmung auf die Decke gehört, wann in die Dachschrägen.
Lesen Sie mehr »Außen vor innen: was Rolladen, Hitzeschutz-Markise und Verdunkelung am Dachfenster leisten – und warum Dämmung und richtiges Lüften dazugehören.
Lesen Sie mehr »