Hinterlüftete Fassade: Wie sie funktioniert und warum sie so lange hält
Unterkonstruktion, Dämmung, Luftschicht, Bekleidung: warum eine hinterlüftete Fassade trocken bleibt.
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Drei Seiten des Hauses sehen ordentlich aus. Nur der Giebel nach Westen nicht: dunkle Ablaufspuren, feine Risse, eine Stelle, an der der Putz hohl klingt. Und im Zimmer dahinter wird die Tapete in der Ecke fleckig. Wer in Schwerin und Umgebung wohnt, kennt das Bild. Schäden an der Fassade zeigen sich fast immer zuerst auf der Wetterseite – und die liegt bei uns im Westen.
In diesem Beitrag erklären wir, was Schlagregen und Frost mit einer Putzwand machen, woran Sie die typischen Schäden erkennen, warum Nachputzen meist nur ein paar Winter hält – und wann es sinnvoll ist, den Giebel zu verkleiden. Dazu eine Checkliste, mit der Sie Ihre Wetterseite selbst vom Boden aus ansehen können.
In Norddeutschland kommt das Wetter überwiegend aus Westen. Der Wind bringt den Regen vom Meer mit, und er bringt ihn schräg. Die Westseite eines Hauses bekommt deshalb nicht nur mehr Wasser ab als die anderen Seiten, sondern auch Wasser mit Druck.
Beim Giebel kommen drei Dinge zusammen:
Ein Ostgiebel am selben Haus hat es deutlich leichter. Deshalb ist es normal, dass eine Fassade ungleichmäßig altert – und es ist ein Hinweis darauf, dass die Ursache außen liegt und nicht im Haus.
Normaler Regen fällt von oben und läuft an der Wand herunter. Schlagregen wird vom Wind gegen die Fläche gedrückt. Das Wasser bleibt nicht auf der Oberfläche, es wird in jede Öffnung gepresst: in Haarrisse im Putz, in Fugen am Fensteranschluss, unter Fensterbänke, an Stellen, an denen ein Kabel oder Rohr durch die Wand geht.
Ein intakter Putz verkraftet das. Er nimmt etwas Feuchte auf und gibt sie bei trockenem Wetter wieder ab. Problematisch wird es, wenn der Putz Risse hat oder ein dichter Anstrich darüber liegt. Dann kommt mehr Wasser hinein, als wieder heraus kann. Das Mauerwerk dahinter wird mit jedem Herbst ein Stück nasser.
Nasse Wände haben zwei Folgen: Sie dämmen schlechter, weil Wasser Wärme viel besser leitet als trockenes Mauerwerk. Und sie bereiten den nächsten Schaden vor – den Frost.
Wasser dehnt sich beim Gefrieren um rund neun Prozent aus. Sitzt es in einem Riss oder in den Poren des Putzes, drückt das Eis den Riss ein Stück weiter auf. Taut es, läuft neues Wasser nach. Beim nächsten Frost geht es von vorn los.
Unser Klima macht das besonders wirksam. Lange, harte Frostperioden sind in Mecklenburg selten. Häufig sind dagegen Winter, in denen die Temperatur immer wieder um den Gefrierpunkt pendelt – nachts Frost, tagsüber Tauwetter. Jeder dieser Wechsel ist ein kleiner Hebel. Über einige Winter wird aus einem Haarriss ein Netz aus Rissen, dann löst sich der Putz vom Mauerwerk, irgendwann platzen Stücke ab.
Das erklärt auch, warum Schäden an der Wetterseite oft plötzlich sichtbar werden: Der Prozess läuft jahrelang im Verborgenen, bis nach einem Winter auf einmal eine Fläche hohl ist.
Diese Anzeichen sehen wir bei Ortsterminen in Schwerin und Umgebung immer wieder. Einzeln sind sie kein Grund zur Sorge. Treten mehrere gemeinsam auf, lohnt ein genauer Blick:
Spätestens wenn innen etwas zu sehen ist, wird aus dem Fassadenthema ein Wohnthema. Typisch sind graue oder braune Ränder in der Raumecke zur Giebelwand, Tapete, die sich löst, ein muffiger Geruch und im schlimmsten Fall Schimmel hinter dem Schrank, der an der Außenwand steht.
Nicht jeder Fleck an der Giebelwand kommt aber durch den Putz. Drei Ursachen sehen sich zum Verwechseln ähnlich:
Häufig wirken mehrere Ursachen zusammen: Eine durchnässte Wand ist kälter, also schlägt sich innen auch mehr Tauwasser nieder. Deshalb sehen wir uns bei einem Ortstermin nicht nur den Putz an, sondern auch Ortgang, Eindeckung und den Anschluss an das Dach. Als Dachdecker haben wir beides im Blick – Wand und Dach.
Der naheliegende Weg ist, die schadhaften Stellen abzuschlagen, neu zu verputzen und die Wand zu streichen. Das sieht danach gut aus. An der Wetterseite hält es aber oft nur wenige Winter. Dafür gibt es handfeste Gründe:
Heißt das, Ausbessern ist immer falsch? Nein. Ein einzelner Riss in einem sonst festen, trockenen Putz lässt sich gut reparieren. Ist der Schaden aber großflächig, kommt er nach jeder Ausbesserung zurück oder steht die Feuchte schon im Zimmer, dann behandelt Nachputzen nur das Symptom. Das sagen wir Ihnen auch so – in die eine wie in die andere Richtung.
Die dauerhafte Lösung für eine stark bewitterte Wetterseite ist, den Giebel zu verkleiden – und zwar als hinterlüftete Konstruktion. Der Gedanke dahinter: Statt den Putz immer wieder gegen den Regen antreten zu lassen, bekommt die Wand einen Wetterschutz, der vor ihr hängt.
Der Aufbau ist im Prinzip derselbe wie bei einem Steildach, nur senkrecht:
Was das an der Wetterseite verändert:
Muss eine Dampfsperre mit hinein? Vor massivem Mauerwerk in aller Regel nicht – die Feuchte soll ja gerade nach außen abziehen können. Wie die Schichten im Detail zusammenspielen, erklären wir im Beitrag Hinterlüftete Fassade: Wie sie funktioniert und warum sie so lange hält.
An der Wetterseite in Norddeutschland ist Schiefer der Klassiker. Er nimmt kaum Wasser auf, ist frostfest und passt optisch zu Backstein und roten Tonziegeln ebenso wie zu einem anthrazitfarbenen Dach. Auch Zink im Stehfalz ist sehr widerstandsfähig. Holz funktioniert, braucht auf der Westseite aber mehr Aufmerksamkeit, weil es dort am stärksten bewittert wird. Faserzement ist formstabil und in vielen Farben zu haben. Wie sich die Materialien in Optik, Gewicht und Pflege unterscheiden, lesen Sie im Beitrag Schiefer, Zink, Holz oder Faserzement: Fassadenverkleidungen im Vergleich.
Ein Vorteil, der oft übersehen wird: Sie müssen nicht das ganze Haus verkleiden. In vielen Fällen reicht die Wetterseite oder nur der Giebel. Die übrigen Fassaden bleiben verputzt.
Für einen ersten Eindruck brauchen Sie keine Leiter. Gehen Sie nach einem kräftigen Regen mit Westwind einmal ums Haus und achten Sie auf diese Punkte:
Klopfen Sie, wo Sie gefahrlos herankommen, den Putz mit dem Fingerknöchel ab. Klingt er an einer Stelle hohl, hat er sich dort schon gelöst. Auf Leitern oder ans Gerüst gehört dagegen nur, wer dafür ausgerüstet ist.
Nein. In vielen Fällen reicht es, die Wetterseite oder nur den Giebel zu verkleiden. Die übrigen Fassaden bleiben verputzt. Wichtig ist ein sauberer Übergang an den Ecken, am Ortgang und an der Traufe.
Oft ja. Die Unterkonstruktion wird durch den alten Putz hindurch im Mauerwerk verankert, der Putz muss die Verkleidung also nicht tragen. Lose Putzstücke werden vorher entfernt. Entscheidend ist, dass das Mauerwerk die Dübel sicher hält und die Feuchte nicht von unten aus dem Erdreich kommt.
Ein erster Hinweis ist der Zeitpunkt: Wird der Fleck nach Regen mit Westwind größer, spricht viel für Schlagregen durch den Giebel oder einen undichten Ortgang. Tritt er vor allem an kalten Tagen in Raumecken auf, kann es Tauwasser von innen sein. Sicher klären lässt sich das nur vor Ort – deshalb sehen wir uns Giebel, Ortgang und Dach immer zusammen an.
Ihr Westgiebel macht Ihnen Sorgen? Bevor wir über Material reden, sehen wir uns die Wand an: Putz, Mauerwerk, Feuchtespuren innen und außen, Fenster, Sockel – und weil wir Dachdecker sind, auch Ortgang, Eindeckung und Dachanschluss. Rainer Thormählen berät Sie danach als Meister persönlich und sagt Ihnen ehrlich, was er sieht. Das kann eine Verkleidung sein, eine gezielte Reparatur oder auch: „Der Putz hält noch.“ Ausgeführt wird die Arbeit von unserem festen Team.
Welche Bekleidungen wir anbieten und wie eine Giebelverkleidung bei uns abläuft, lesen Sie auf unserer Leistungsseite Fassaden. Wir sind ein Meisterbetrieb seit 1995 aus Holthusen bei Schwerin und arbeiten in Schwerin und Umgebung, rund 50 km um Holthusen. Schreiben Sie uns gern über das Kontaktformular auf unserer Startseite oder rufen Sie an: 03865 / 84 41 10 – bei uns geht ein Mensch ran.
Dieser Beitrag stammt von der Rainer Thormählen Dachdecker GmbH & Co. KG – Meisterbetrieb seit 1995 aus Holthusen bei Schwerin.
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