Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung? Vor- und Nachteile im Vergleich
Aufbau, Wärmebrücken, Raumhöhe, Kombination und Hinterlüftung – die Entscheidungshilfe vom Meisterbetrieb.
Lesen Sie mehr »| Fassaden
Putz an der Wetterseite, der alle paar Jahre wieder reißt. Ein Giebel, an dem nach jedem Herbst neue Flecken stehen. Wer so eine Wand hat, landet früher oder später bei der Frage, ob eine Verkleidung die bessere Lösung ist. Die Antwort lautet oft: ja – wenn sie als hinterlüftete Fassade gebaut wird.
Das Prinzip ist alt und einfach. Zwischen Wand und Bekleidung bleibt eine Luftschicht, durch die Luft von unten nach oben zieht. Diese Luftschicht ist der Grund, warum eine gut gebaute Fassade trocken bleibt und lange hält. In diesem Beitrag erklären wir, wie die Schichten zusammenspielen, was die Konstruktion bei Wetter, Feuer und Lärm leistet, ob sie zu Ihrem Altbau passt – und wie viel Pflege sie braucht. Fachleute sagen dazu übrigens auch „vorgehängte hinterlüftete Fassade“, kurz VHF.
Eine hinterlüftete Fassade besteht aus vier Ebenen. Jede hat genau eine Aufgabe. Das ist der Kern des Systems: Keine Schicht muss alles können. Von innen nach außen:
Die Unterkonstruktion besteht entweder aus Holz – Lattung, bei Bedarf mit Konterlattung – oder aus Aluminium mit Wandhaltern und Profilen. Holz ist bei Ein- und Zweifamilienhäusern üblich und bei Schiefer und Holzbekleidungen die naheliegende Wahl. Aluminium spielt seine Stärken bei großen Flächen, schweren Platten und höheren Gebäuden aus.
Ein Vorteil, der im Altbau viel wert ist: Die Unterkonstruktion gleicht Unebenheiten aus. Eine Wand, die über die Höhe ein paar Zentimeter aus dem Lot läuft, wird nicht abgestemmt oder neu verputzt. Die Halter werden ausgerichtet, die Bekleidung sitzt danach gerade. Wie viele Befestigungspunkte nötig sind und welche Dübel halten, hängt vom Mauerwerk ab. Das ist eine Frage der Statik, nicht des Augenmaßes.
Die Dämmung wird zwischen der Unterkonstruktion fugenlos an die Wand gesetzt. Verwendet werden vor allem Mineralwolle oder Holzfaser – Dämmstoffe, die Feuchte nach außen durchlassen. Wichtig ist, dass die Platten dicht an der Wand anliegen. Hinterströmt kalte Luft die Dämmung, verliert sie einen großen Teil ihrer Wirkung.
Je nach Dämmstoff und Bekleidung kommt außen auf die Dämmung noch eine Fassadenbahn. Sie ist winddicht und diffusionsoffen, ähnlich wie die Unterdeckbahn im Steildach. Bei Bekleidungen mit offenen Fugen muss diese Bahn zusätzlich UV-beständig sein, weil dort Licht durchfällt.
Die Dämmstärke ist bei der hinterlüfteten Fassade nicht durch ein Bauteil begrenzt – längere Halter, dickere Dämmung. Welche Stärke an Ihrem Haus sinnvoll ist, hängt von Wand, Fenstern und Dachüberstand ab.
Zwischen Dämmung und Bekleidung bleibt ein durchgehender Hohlraum, in der Regel mindestens zwei Zentimeter tief. Unten, am Sockel, und oben, an Traufe oder Ortgang, gibt es Öffnungen. Sie sind mit Lochblechen oder Gittern gegen Insekten und Mäuse geschützt, lassen die Luft aber durch.
Weil sich die Luft hinter der Bekleidung erwärmt, steigt sie nach oben und zieht unten frische Luft nach. Dieser Kamineffekt läuft ohne Technik, ohne Strom und ohne Wartung. Er ist der Grund, warum eine hinterlüftete Fassade trocknet, statt Feuchtigkeit zu speichern.
Die Bekleidung hält Regen, Wind, Sonne und Hagel ab – und bestimmt, wie Ihr Haus aussieht. Wir verarbeiten unter anderem:
Alle Bekleidungen werden mechanisch befestigt: genagelt, geschraubt, eingehängt oder gefalzt. Nichts ist geklebt oder auf die Dämmung geputzt. Das ist einer der Gründe, warum einzelne Teile später ausgetauscht werden können, ohne die Fassade zu öffnen. Wie sich die Materialien in Optik, Haltbarkeit, Pflege und Gewicht unterscheiden, vergleichen wir im Beitrag Schiefer, Zink, Holz oder Faserzement: Fassadenverkleidungen im Vergleich.
Feuchte kommt bei einer Außenwand aus zwei Richtungen: von außen als Regen und von innen als Wasserdampf aus dem Wohnraum. Kochen, Duschen, Atmen – ein Haushalt gibt jeden Tag Feuchtigkeit an die Raumluft ab, und ein Teil davon wandert langsam durch die Wand nach außen.
Bei der hinterlüfteten Fassade ist der Weg nach außen frei. Die Schichten werden von innen nach außen immer durchlässiger: Mauerwerk, diffusionsoffene Dämmung, offene Fassadenbahn, Luftschicht. Was an Feuchte ankommt, nimmt der Luftstrom hinter der Bekleidung mit. Die Dämmung bleibt trocken und behält ihre Wirkung, das Mauerwerk kann austrocknen.
Eine Frage, die wir dazu oft hören: Muss da nicht eine Dampfsperre hinein? Vor massivem Mauerwerk in aller Regel nicht. Im Steildach ist sie auf der Raumseite unverzichtbar, weil dort die Dämmung direkt hinter der Innenverkleidung liegt – wie das zusammenhängt, erklären wir im Beitrag Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung. An der Außenwand dagegen steht die dicke Wand zwischen Wohnraum und Dämmung, und die Feuchte soll nach außen abziehen können. Anders ist es bei Holzbauwänden: Dort sitzt die Dampfsperre auf der Raumseite der Wand, nicht in der Fassade.
Eine verputzte Wand hat genau eine Verteidigungslinie: den Putz. Hat er einen Riss, steht das Wasser im Mauerwerk. Die hinterlüftete Fassade arbeitet zweistufig:
Auf der Westseite, die in unserer Gegend den meisten Regen abbekommt, ist das der entscheidende Unterschied. Dazu kommt: Die Bekleidung hängt frei vor der Wand. Sie kann sich bei Hitze und Frost bewegen, ohne Spannungen auf Dämmung oder Mauerwerk zu übertragen. Spannungsrisse, wie man sie von verputzten Dämmfassaden kennt, gibt es so nicht.
Viele Bauteile einer hinterlüfteten Fassade brennen gar nicht: Mineralwolle, Schiefer, Zink, Kupfer, Aluminium, Tonziegel. Holz und manche Plattenwerkstoffe sind brennbar, aber deshalb nicht verboten. Welche Anforderungen gelten, richtet sich nach Gebäudehöhe und Nutzung und steht in der Landesbauordnung.
Bei Ein- und Zweifamilienhäusern sind die Anforderungen meist überschaubar. Bei höheren Gebäuden verlangt das Baurecht schwer entflammbare oder nichtbrennbare Baustoffe und Brandsperren in der Luftschicht, damit Feuer sich nicht im Hohlraum nach oben ausbreitet. Welche Vorgaben für Ihr Gebäude gelten, klären wir bei der Planung – Bekleidung, Dämmstoff und Unterkonstruktion werden danach ausgewählt.
Eine hinterlüftete Fassade verbessert den Schallschutz der Außenwand. Die Dämmung aus Mineralwolle oder Holzfaser schluckt Schall, die Bekleidung bildet eine zusätzliche Schale vor der Wand. An einer Hauptstraße ist das ein spürbares Argument. Wie groß der Gewinn ausfällt, hängt aber vom Aufbau ab – und die Fenster bleiben die schwächste Stelle der Wand. Eine Zahl nennen wir deshalb erst, wenn der Aufbau geplant ist.
Oft sogar besonders gut. Gerade bei älteren Häusern in Schwerin und Umgebung mit krummen Wänden, mehrfach geflicktem Putz oder einer Wetterseite, die nie richtig trocken wird, spielt die Konstruktion ihre Stärken aus:
Es gibt aber Punkte, die vorher geklärt sein müssen:
Verkleidete Fassaden brauchen deutlich weniger Pflege als Putz, der regelmäßig ausgebessert und gestrichen werden will. Wie wenig, hängt von der Bekleidung ab:
Für jede Bekleidung gilt: Ab und zu hinsehen lohnt sich. Diese drei Punkte können Sie selbst vom Boden aus prüfen:
Eine Lebensdauer in Jahren versprechen wir nicht. Sie hängt von Material, Lage und Ausführung ab. Was wir sagen können: Eine Konstruktion, die trocken bleibt, sich frei bewegen kann und in der jede Schicht nur eine Aufgabe hat, ist auf lange Nutzung gebaut. Genau darum hält eine hinterlüftete Fassade so lange.
Vor massivem Mauerwerk in aller Regel nicht. Die Schichten werden nach außen immer durchlässiger, Feuchte aus dem Haus zieht durch Wand und Dämmung in die Luftschicht und wird dort abgeführt. Bei Holzbauwänden sieht das anders aus – dort sitzt die Dampfsperre auf der Raumseite der Wand.
Oft ja. Der alte Putz muss nicht tragfähig für die Bekleidung sein, denn die Unterkonstruktion wird durch ihn hindurch im Mauerwerk verankert. Entscheidend ist, dass das Mauerwerk die Dübel sicher hält und nicht dauerhaft feucht ist.
Schiefer und Metall sind nahezu wartungsfrei, Holz braucht je nach Art und Behandlung gelegentlich Pflege. Wichtig ist bei jeder Bekleidung, dass die Lüftungsöffnungen unten und oben frei bleiben und die Anschlüsse an Fenstern und Sockel ab und zu angesehen werden.
Sie überlegen, Ihr Haus in Schwerin oder im Umland mit einer Fassadenverkleidung zu schützen? Bevor wir über Material reden, sehen wir uns Ihre Wand an: Mauerwerk, Putz, Feuchtespuren, Fenster, Sockel und Dachüberstand. Rainer Thormählen berät Sie danach als Meister persönlich und sagt Ihnen, was er sieht – auch dann, wenn die ehrliche Antwort lautet: „Der Putz hält noch.“ Ausgeführt wird die Fassade von unserem festen Team, denselben Leuten, die bei uns auch Dächer decken.
Welche Bekleidungen wir anbieten und wie eine Fassade bei uns abläuft, lesen Sie auf unserer Leistungsseite Fassaden. Wir sind ein Meisterbetrieb seit 1995 aus Holthusen bei Schwerin und arbeiten in Schwerin und Umgebung, rund 50 km um Holthusen. Schreiben Sie uns gern über das Kontaktformular auf unserer Startseite oder rufen Sie an: 03865 / 84 41 10 – bei uns geht ein Mensch ran.
Dieser Beitrag stammt von der Rainer Thormählen Dachdecker GmbH & Co. KG – Meisterbetrieb seit 1995 aus Holthusen bei Schwerin.
KI-Darstellung: Backsteinhaus mit verschiefertem Giebel – eine typische hinterlüftete Fassadenverkleidung.
Aufbau, Wärmebrücken, Raumhöhe, Kombination und Hinterlüftung – die Entscheidungshilfe vom Meisterbetrieb.
Lesen Sie mehr »Wärmebrücken, zusammengesackte Dämmung, undichte Dampfsperre: woran Sie Wärmeverlust am Dach erkennen.
Lesen Sie mehr »Was eine Reparatur leistet, wann Teilsanierung oder Neueindeckung sinnvoll ist – und was wir vor Ort ansehen.
Lesen Sie mehr »