Denkmalgeschütztes Dach sanieren: So läuft die Abstimmung mit der Denkmalbehörde
Erlaubnispflicht, Unterlagen, Materialmuster, typische Auflagen und realistische Fristen – und was Ihnen der Dachdecker abnimmt.
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Von Rainer Thormählen Dachdecker GmbH & Co. KG · Meisterbetrieb seit 1995, Holthusen bei Schwerin
Rund um Schwerin stehen viele Häuser, deren Dach älter ist als ihre Bewohner: Fachwerkhäuser mit Biberschwanz, Bauernhäuser mit Hohlpfannen, Giebel und Türme mit Naturschiefer. Eine historische Dacheindeckung ist kein Zufall. Material, Deckart und Details wurden über Generationen so gewählt, dass sie zu Klima, Dachneigung und Haus passen. Wer heute repariert oder neu eindeckt, sollte wissen, was da eigentlich auf dem Dach liegt.
In diesem Beitrag erklären wir die drei klassischen Materialien, den Unterschied zwischen Kronen- und Doppeldeckung, die Frage „Mörtel oder trocken?“, die gängigen Schiefer-Deckarten – und was ein altes Dach an Pflege braucht, damit es noch lange hält. Was wir an Baudenkmälern und alten Häusern übernehmen, finden Sie auf unserer Leistungsseite Denkmalschutz.
Allen dreien ist gemeinsam: Sie verzeihen wenig Pfusch. Die Dichtheit entsteht nicht durch ein Abdichtungssystem, sondern durch Überdeckung, Neigung und saubere Details. Deshalb kommt es bei einer historischen Eindeckung mehr auf die Deckart an als auf das Material allein.
Biberschwanzziegel haben keine Seitenfalze. Sie werden so verlegt, dass jede Fuge von der nächsten Reihe überdeckt wird. Dafür gibt es drei klassische Deckarten.
Die älteste und sparsamste Form: Auf jeder Latte hängt eine Reihe Ziegel. Unter jede Stoßfuge kommt ein schmaler Streifen, der Spließ – früher ein Holzspan. Die Spließdeckung ist weniger regensicher als die anderen beiden und braucht ein steiles Dach. Man findet sie heute vor allem noch auf Scheunen und Nebengebäuden.
Heute die häufigste Deckart beim Biberschwanz. Auch hier liegt eine Reihe auf jeder Latte – aber die Latten sitzen so eng, dass jede Stelle des Daches mindestens zweifach gedeckt ist, im Bereich der Überdeckung sogar dreifach. Die Reihen sind jeweils um eine halbe Ziegelbreite versetzt. Ergebnis: ein gleichmäßiges, feines Schuppenbild und eine sehr regensichere Fläche.
Bei der Biberschwanz-Kronendeckung – mancherorts auch Ritterdeckung genannt – liegen auf jeder Latte zwei Reihen: Die untere hängt mit der Nase an der Latte, die obere liegt direkt darauf, wieder um eine halbe Ziegelbreite versetzt. Dadurch werden die Lattenabstände größer, und auf der Dachfläche entstehen deutlich sichtbare Doppelreihen, die „Kronen“. Viele historische Dächer in Mecklenburg sind so gedeckt.
Welche Deckart richtig ist, entscheidet bei einem Baudenkmal in der Regel der Bestand: War das Dach in Kronendeckung gedeckt, wird es das auch wieder. Fachlich sind Kronen- und Doppeldeckung gleichwertig regensicher, wenn Dachneigung, Überdeckung und Lattung stimmen. Unterschiede gibt es im Bild, in der Lattung und im Arbeitsaufwand – und genau deshalb lohnt es sich, vor dem Abdecken genau hinzusehen und den Bestand zu fotografieren.
Biberschwanz gibt es mit Rundschnitt, Segmentschnitt, Geradschnitt, Spitzschnitt und weiteren Formen. Auch das ist ein Erkennungszeichen eines alten Daches und wird bei einer Erneuerung übernommen. Seine Stärke spielt der kleine Ziegel an Rundungen aus: Bei einer Fledermausgaube – der flachen, geschwungenen Gaube ohne seitliche Wangen – läuft die Dachfläche wie eine Welle über das Fenster. Die Lattung folgt dieser Welle, die Biber werden reihenweise eingepasst und zum Teil schmaler zugeschnitten. Das ist Handarbeit, die man einem Dach von Weitem ansieht: entweder fließt die Fläche, oder sie knickt.
Noch ein praktischer Punkt: Ein Biberschwanzdach ist deutlich schwerer als ein Dach mit Pfannen. Wer von Pfanne auf Biber wechseln will, muss den Dachstuhl prüfen lassen.
Die klassische Hohlpfanne überlappt seitlich und in der Höhe, hat aber keine Falze, die Wasser und Wind abhalten. An den Ecken wird sie geschnitten, damit dort nicht zu viele Lagen aufeinanderliegen. Weil die Fugen offen sind, drückt Wind bei Sturm Regen und Flugschnee hinein. Früher hat man das auf zwei Wegen gelöst:
Heute liegt unter einer neuen Hohlpfannen-Eindeckung eine Unterdeckbahn auf Konterlattung. Sie führt eingedrungenes Wasser sicher zur Traufe ab. Damit ist der Verstrich für die Dichtheit nicht mehr nötig. Wo das Erscheinungsbild der unverfalzten Hohlpfanne erhalten bleiben soll, wird sie trotzdem wieder verwendet – oft verlangt die Denkmalbehörde genau das. Daneben gibt es verfalzte Hohlpfannen, die von außen ähnlich aussehen. Ob sie auf Ihrem Haus zulässig sind, klärt die Abstimmung mit der Behörde.
Auf alten Dächern sieht man viel Mörtel: an First und Grat, am Ortgang, rund um den Schornstein, bei Hohlpfannen in den Fugen. Früher war das der einzige Weg, offene Stellen zu schließen. Das Problem: Mörtel ist starr, das Dach bewegt sich. Temperatur, Wind und Feuchte arbeiten in Holz und Ziegel. Nach einigen Jahren reißt der Mörtel, Stücke lösen sich, Wasser läuft dahinter und bleibt dort stehen. Frost erledigt den Rest.
Deshalb wird heute meist trocken verlegt: First- und Gratziegel mit Klammern auf einer Lattung, darunter eine First- oder Gratrolle, die abdichtet und zugleich die Luft aus dem Dach entweichen lässt. Ortgänge werden mit Ortgangziegeln oder Formteilen geschlossen. Das ist wartungsarm und belüftet.
Am Baudenkmal ist die Antwort nicht immer so einfach. Prägt ein vermörtelter First oder Ortgang das Bild des Hauses, kann die Behörde verlangen, dass er so bleibt. Dann gilt für uns:
Beim Schiefer gibt es eine ganze Reihe von Deckarten. Für historische Häuser in unserer Region sind vor allem diese wichtig:
Schiefer selbst hält sehr lange. Die Schwachstelle ist meist die Befestigung: Alte Nägel rosten durch, einzelne Steine rutschen. Dann wird nicht gleich das ganze Dach erneuert. Einzelne Steine lassen sich gezielt mit Haken oder Haftstreifen ersetzen. Wie wir einen Giebel mit Schiefer neu verkleidet haben, zeigt unsere Referenz Giebelverkleidung mit Schiefer.
Von außen alt, darunter auf dem Stand der Technik – so sanieren wir historische Dächer, wenn Behörde und Bestand es zulassen. Ein typischer Aufbau von außen nach innen:
Wann die Dämmung zwischen die Sparren gehört und wann obendrauf, erklären wir im Beitrag Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung?
Ein altes Dach hält lange, wenn kleine Schäden klein bleiben. Die meisten großen Sanierungen, die wir sehen, haben mit einem einzelnen gebrochenen Ziegel oder einer verstopften Rinne angefangen. Das gehört zur Pflege:
Am Baudenkmal gilt: Gleiches gegen Gleiches zu tauschen ist laufende Instandhaltung und in der Regel ohne Erlaubnis möglich. Sobald sich Material, Form oder Deckart ändert, sprechen Sie vorher mit der Behörde. Wie diese Abstimmung abläuft, lesen Sie in unserem Beitrag Denkmalgeschütztes Dach sanieren: So läuft die Abstimmung mit der Denkmalbehörde.
Biberschwanz in Kronendeckung und eingebundene Fledermausgauben gehören bei uns zum Handwerk, nicht zur Ausnahme. Ein Beispiel ist die Neueindeckung eines historischen Fachwerkhauses: Das Dach hatte erhebliche Alterungsspuren und war undicht, der Charakter des Hauses sollte vollständig erhalten bleiben.
Unser Team hat die komplette Eindeckung mit Tonziegeln in angepasster Farbe erneuert – nach den Vorgaben des Denkmalschutzes und mit traditionellen Techniken. Die meiste Zeit steckt in den Details: am Kamin, an der Gaube und an der Traufe. Genau dort entscheidet sich, ob ein altes Dach nachher wieder stimmig aussieht und dicht ist.
Sie sind nicht sicher, wie Ihr Dach gedeckt ist oder was es braucht? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular auf unserer Startseite oder rufen Sie an: 03865 / 84 41 10 – bei uns geht ein Mensch ran.
Unsere erfahrenen Dachdecker sehen sich Ihr historisches Dach vor Ort an: Deckart, Lattung, Mörtel, Anschlüsse, Holz. Rainer Thormählen berät Sie als Meister persönlich und sagt Ihnen ehrlich, was nötig ist – manchmal reicht eine Reparatur. Die Arbeit auf dem Dach übernimmt sein eingespieltes Team.
Wir arbeiten in Schwerin und Umgebung – rund 50 km um Holthusen.
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