Dachstuhl prüfen lassen: Woran man erkennt, ob das Holz noch trägt
Feuchteschäden, Schädlinge, Durchbiegung und lockere Verbindungen: woran Sie einen geschwächten Dachstuhl erkennen.
Lesen Sie mehr »Von Rainer Thormählen Dachdecker GmbH & Co. KG · Meisterbetrieb seit 1995, Holthusen bei Schwerin
Sie steigen in den Spitzboden und sehen über sich die Rückseiten der Ziegel, dazwischen alten Mörtel und hier und da einen Lichtstreifen. Keine Folie, keine Bahn. Ein Dach ohne Unterspannbahn ist bei vielen älteren Häusern in Schwerin und Umgebung völlig normal. Bei anderen hängt zwar eine Bahn unter den Ziegeln, aber sie ist brüchig, eingerissen oder hängt in Fetzen.
Ist das gefährlich? Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. In diesem Beitrag erklären wir, welche Aufgabe die zweite wasserführende Ebene unter der Eindeckung hat, woran Sie ein Dach ohne Unterdeckung erkennen, wann das unkritisch ist und wann dem Dachstuhl ein Feuchteschaden droht. Und wir ordnen ehrlich ein, was eine Nachrüstung von innen leisten kann – und warum eine fachgerechte Unterdeckung bei einer Umdeckung von außen entsteht.
Ziegel und Dachsteine sind die erste wasserführende Ebene. Sie halten Regen ab, aber sie sind nicht absolut dicht. Die Fugen zwischen den überlappenden Ziegeln sind gewollt, damit das Dach atmen kann. Bei Wind von der falschen Seite kommt dort etwas durch. Genau dafür gibt es unter der Eindeckung eine zweite wasserführende Ebene. Sie schützt vor allem vor drei Dingen:
Entscheidend ist, wohin das Wasser danach läuft. Bei einem fachgerechten Aufbau liegt die Bahn auf oder über den Sparren, darauf sitzt die Konterlattung in Richtung der Sparren und quer darüber die Traglattung, an der die Ziegel hängen. Die Konterlattung hebt die Traglattung von der Bahn ab. So entsteht ein durchgehender Spalt, in dem eingedrungenes Wasser ungehindert auf der Bahn bis zur Traufe abläuft und dort über ein Traufblech in die Rinne geführt wird. Derselbe Spalt lüftet die Eindeckung von unten. Die Bahnen überlappen dabei wie Dachziegel: Die obere liegt immer über der unteren, damit Wasser nicht hinter die Stöße läuft.
Ein Wort zu den Begriffen: Fachleute unterscheiden die frei zwischen den Sparren gespannte Unterspannbahn und die vollflächig aufliegende Unterdeckung, etwa auf einer Schalung oder einer Aufsparrendämmung. Im Alltag wird beides oft „Unterspannbahn“ genannt. Wie eine moderne Unterdeckbahn aufgebaut ist, erklären wir auf unserer Wissensseite Unterdeckbahn.
Am einfachsten vom Dachboden oder Spitzboden aus. Nehmen Sie eine Taschenlampe mit und gehen Sie nur dort, wo ein tragfähiger Boden liegt. Typische Anzeichen:
Eine verschlissene Bahn erkennen Sie daran, dass sie spröde ist, beim Anfassen bricht, in Fetzen hängt, zwischen den Sparren stark durchhängt oder Löcher hat. Ältere Bahnen aus den 1970er- und 1980er-Jahren sind häufig nicht diffusionsoffen und mit den Jahren mürbe geworden. Liegt Wasser in einer durchhängenden Bahn, läuft es nicht mehr zur Traufe ab, sondern tropft irgendwo im Haus herunter.
Mehr zu historischen Deckarten mit Mörtel und ihrer Pflege lesen Sie im Beitrag Biberschwanz, Hohlpfanne, Naturschiefer.
Viele Dächer ohne zweite Ebene haben Jahrzehnte ohne nennenswerte Schäden überstanden. Das liegt am Prinzip des kalten, gut belüfteten Dachbodens: Was an Feuchte hineinkommt, trocknet schnell wieder ab, weil Luft ungehindert an Holz und Ziegeln vorbeistreicht. Unkritisch ist ein Dach ohne Unterspannbahn meist, wenn alles Folgende zutrifft:
Dann reicht in der Regel eine Pflege, wie sie ein altes Dach ohnehin braucht: kaputte Ziegel tauschen, losen Mörtel erneuern, Anschlüsse prüfen, nach schweren Stürmen und Schneewehen einmal mit der Lampe nachsehen. Wie oft eine Prüfung sinnvoll ist, steht im Beitrag Dachwartung vor dem Winter.
Kritisch wird es, sobald Feuchte nicht mehr abtrocknen kann oder dauerhaft an derselben Stelle hineinkommt. Das passiert vor allem in diesen Fällen:
Warnzeichen am Holz sind dunkle Wasserränder und Laufspuren, weiche oder morsche Latten, Rost an Nägeln, muffiger Geruch und Pilzgeflecht. Ist die Dämmung in den Schrägen schon verbaut, zeigt sich der Schaden oft erst innen: Flecken an der Verkleidung, Schimmel in den Ecken, abblätternde Farbe. Was wir am Dachstuhl prüfen und wann Ertüchtigen reicht, lesen Sie im Beitrag Dachstuhl prüfen lassen.
Die naheliegende Idee: Die Ziegel bleiben, wo sie sind, und von innen wird zwischen den Sparren eine Bahn eingezogen. Das ist möglich. Meist wird die Bahn dazu in jedem Sparrenfeld wannenförmig eingelegt, seitlich an den Sparren hochgeführt und befestigt, alternativ werden spezielle Platten zwischen die Sparren gesetzt. Das kann durchaus etwas bringen:
So ehrlich müssen wir sein: Eine von innen eingebaute Bahn ist keine fachgerechte zweite wasserführende Ebene. Die Gründe liegen im Aufbau:
Besonders vorsichtig sind wir, wenn auf die nachgerüstete Bahn eine Zwischensparrendämmung mit Ausbau folgen soll. Dann hängen Dämmung, Dampfsperre und Innenverkleidung an einer zweiten Ebene, die schon im Grundsatz Lücken hat. Gelangt Feuchte hinein, merkt es niemand, bis sich innen Flecken zeigen.
Sinnvoll ist die Nachrüstung von innen deshalb vor allem als Übergangslösung: für einen nicht ausgebauten Dachboden, der sauber bleiben soll, oder für die Zeit, bis in einigen Jahren ohnehin umgedeckt wird. Als Grundlage für einen Dachausbau empfehlen wir sie nicht.
Eine dauerhaft funktionierende zweite wasserführende Ebene entsteht dann, wenn das Dach von außen geöffnet wird. Bei einer Umdeckung oder Neueindeckung läuft das in diesen Schritten:
Was wir bei einer Sanierung leisten, sehen Sie auf unserer Leistungsseite Dachsanierung.
Wenn das Dach ohnehin offen ist, lohnt der Blick auf die Dämmung. Bei einer Aufsparrendämmung liegt die Dämmung als geschlossene Schicht über den Sparren. Der Aufbau von innen nach außen: Dampfsperre über den Sparren, darauf die Dämmplatten, darüber die Unterdeckung, dann Konterlattung, Traglattung und Ziegel. Die Vorteile:
Zu bedenken ist, dass das Dach dadurch etwas höher wird. Traufe, Ortgang und Anschlüsse an Schornstein und Gauben müssen angepasst werden, bei denkmalgeschützten Häusern gehört das mit der Behörde abgestimmt. Außerdem gilt: Wer sein Dach erneuert, muss nach dem Gebäudeenergiegesetz in vielen Fällen auch die Dämmung auf den geforderten Stand bringen. Welche Pflichten bei Ihrem Haus konkret greifen, klären wir im Gespräch – eine Rechtsberatung ersetzt das nicht. Ob Aufsparren- oder Zwischensparrendämmung zu Ihrem Dach passt, erklärt unser Beitrag Aufsparrendämmung oder Zwischensparrendämmung?
Bleibt der Dachboden kalt und ungenutzt, kann statt der Schrägen auch die oberste Geschossdecke gedämmt werden. Wann das die bessere Wahl ist, steht im Beitrag Oberste Geschossdecke oder Spitzboden dämmen.
Ein Dach ohne Unterspannbahn ist kein Grund, sofort ein neues Dach zu bestellen. Die Frage ist immer, wie die Eindeckung und das Holz heute aussehen und was Sie mit dem Dachraum vorhaben. Grob lässt es sich so einordnen:
Woran man den Unterschied zwischen Reparatur und Sanierung festmacht, lesen Sie ausführlich im Beitrag Dach reparieren oder sanieren?
Sie haben unter Ihren Ziegeln keine Bahn oder nur noch Fetzen davon? Bei der kostenlosen Dachprüfung schauen sich unsere erfahrenen Dachdecker Eindeckung, Mörtelverstrich, Anschlüsse und den Dachstuhl vom Dachboden aus an. Rainer Thormählen bespricht das Ergebnis anschließend als Meister persönlich mit Ihnen: ob eine Reparatur reicht, ob eine Nachrüstung von innen für Ihre Situation trägt oder ob eine Umdeckung sinnvoll ist. Manchmal lautet die Antwort auch: Ihr Dach hält, so wie es ist. Das sagen wir Ihnen genauso klar.
Wir arbeiten in Schwerin und Umgebung – rund 50 km um Holthusen.
Kostenlose Dachprüfung anfragen »
Oder direkt anrufen: 03865 / 84 41 10 – bei uns geht ein Mensch ran.
KI-Darstellung: Dach ohne Unterspannbahn – vom Spitzboden aus sind Ziegelrückseiten und Mörtelverstrich zu sehen.
Feuchteschäden, Schädlinge, Durchbiegung und lockere Verbindungen: woran Sie einen geschwächten Dachstuhl erkennen.
Lesen Sie mehr »
Vor- und Nachteile beider Dämmarten, die Rolle von Dampfsperre und Lattung – und warum die Antwort erst nach der Prüfung vor Ort feststeht.
Lesen Sie mehr »
Pfannen, First, Rinne, Anschlüsse: was der Dachdecker im Herbst prüft und was Sie vom Boden aus selbst sehen.
Lesen Sie mehr »